Funktionelle videoendoskopische Nasennebenhöhlenchirurgie

(FVESS)

Chronische Nasennebenhöhlenentzündungen (= chronische Rhinosinusitis, CRS) basieren auf einer Drainage- und Ventilationsstörung der Nasennebenhöhlen. Ausgangspunkt ist häufig eine Entzündung bzw. Schleimhautverdickung der anatomischen Engstelle im Bereich des vorderen Siebbeines. Hier münden die Ausführungsgänge der Stirnhöhle, des vorderen Siebbeins und der Kieferhöhle („ostiomeatale Einheit“). Heilt die Entzündung  unter konservativen Maßnahmen nicht aus, sollte eine chirurgische Sanierung angestrebt werden. Unter endoskopischer Kontrolle wird auf physiologischem Weg durch die Nase (endonasal) minimal-invasiv die Engstelle aufgesucht und das Ausführungsgangsystem erweitert, wodurch die Drainage und Ventilation der erkrankten Nasennebenhöhlen wiederhergestellt wird. Durch diese funktionelle Technik und durch den Einsatz gerader und gewinkelter Endoskope kann das Operationstrauma gering gehalten werden, was die langfristige Ausheilung begünstigt.    
Die Diagnostik dieser Erkrankung basiert neben der Beschwerdesymptomatik (Nasenatmungsbehinderung, Schmerzen/Druck, Sekretion, Riechminderung) auf der Endoskopie der Nase und der obligaten Schnittbilddiagnostik der Nasennebenhöhlen. Hierzu verfügen wir über die derzeit modernste Diagnostik – die Digitale Volumentomographie (DVT) –, die eine hochauflösende dreidimensionale Darstellung des Geschichtsschädels, der Nasennebenhöhlen und des Oberkiefers bei im Vergleich zur konventionellen Computertomographie deutlich niedrigerer Strahlenbelastung ermöglicht.

Kieferhöhlenzysten

Kieferhöhlenzysten machen in der Regel keine Beschwerden und sind häufige Zufallsbefunde im Röntgenbild. Erst ab einer bestimmten Größe (wie im Beispiel) können sie symptomatisch werden und eine Indikation zur operativen Intervention bieten.

Kieferhöhlenpilz (Aspergillom)

Kalkdichte Konkrete  in der Kieferhöhle sind häufig Zeichen einer Pilzbesiedlung („Aspergillus“).  Die Therapie der ersten Wahl ist hier die endoskopische chirurgische Sanierung, bei der alle Pilzpartikel entfernt werden müssen.  Nach erfolgter kompletter Säuberung ist eine zusätzliche (Pilz-)therapie nicht erforderlich.

Mukozelen

Mukozelen sind isolierte Schleimabschottungen der Nasennebenhöhlen (v.a. Stirnhöhle und Siebbeinzellen). Sie treten selten spontan, häufiger aber nach Gesichtsverletzungen mit Frakturen der die Nebenhöhlen begrenzenden Knochenstrukturen auf.  Durch Verlegung des Ausführungsgangs kann der Schleim nicht abgesondert werden und sammelt sich an. Die Druckzunahme im Kompartiment führt wie im Beispiel zur Auflösung der angrenzenden Knochen, vor allem zur angrenzenden Orbita, und kann dann zur Vorwölbung des Auges führen. Durch endoskopische Eröffnung des Mukozelenbodens kann die Mukozele entleert und die Drainage wiederhergestellt werden.

Dentogene Sinusitis

Nicht selten erkranken die Kieferhöhlen aufgrund von Entzündungen der Zähne. Hier ist eine subtile Diagnostik, wie sie die Digitale Volumentomographie bietet, vonnöten.
Vor einer Behandlung der Kieferhöhle muss zuerst der Zahnherd saniert werden.

Chronisch-polypöse Rhinosinusitis (Polyposis nasi)

Eine Sonder- bzw. Extremform der chronischen Rhinosinusitis (CRS)  ist die CRS mit Polyposis nasi, eine Polypenbildung der entzündeten und verdickten NNH-Schleimhäute. Die Ursachen dieser Erkrankung sind noch immer nicht genau geklärt, eine Unterform geht einher mit einer Schmerzmittelunverträglichkeit (Acetylsalicylsäure, Diclofenac, Ibuprofen etc.) und ist in den meisten Fällen mit einem Asthma bronchiale kombiniert. Hier handelt sich um eine pseudoallergische Reaktion auf besagte Schmerzmittel („Aspirin-Unverträglichkeit“), sodass sich nach operativer Freilegung der befallenen Nasennebenhöhlen eine langfristige Gewöhnungstherapie mit Aspirin anschließen sollte, um einem Rezidiv vorzubeugen.

Nasenpapillom

Einseitige Verschattungen der Nasennebenhöhlen sind immer verdächtig auf eine Tumorerkrankung. Eine histologische Sicherung ist immer indiziert. Der häufigste Tumor ist das invertiert wachsende Papillom. Diese Tumorart ist zwar gutartig, kann aber nicht selten im Laufe der Zeit entarten, d.h. sich in einen bösartigen Tumor verwandeln. Eine komplette operative Entfernung dieses Tumors mit engmaschiger Nachkontrolle ist daher sehr wichtig.

Nachbehandlung

Da die funktionell-endoskopische Nasennebenhöhlenoperation in der Regel mit einer Septumplastik kombiniert wird, muss die innere Nase mit Septumschienen stabilisiert werden. Die Schienen werden ambulant nach einer Woche schmerzlos entfernt. Die postoperative Einlage von Nasentamponaden ist in der Regel nicht erforderlich, lediglich die eröffneten Siebbeinhöhlen werden mit selbstauflösenden Tamponaden ausgefüllt. Nach der Operation sollte die Nase regelmäßig mit Salzlösungen gespült und gesalbt werden. Da die Operation zwar die Drainage- und Ventilationswege der Nasennebenhöhlen wiederherstellen und erweitern kann, die zugrunde liegende Erkrankung der Nasenschleimhäute aber nicht „wegoperiert“ werden kann, ist eine mindestens 6-monatige lokale Behandlung mit kortisonhaltigen Nasensprays erforderlich. Patienten mit einer CRS und Polypenbildung sollten mindestens 12 Monate kortisonhaltige Nasensprays verwenden, da hier die Rezidivgefahr relativ hoch ist.

Zyste der linken Kieferhöhle (Digitale Volumentomographie, DVT)
Zyste der linken Kieferhöhle (Endoskopisches Bild, 0°-Optik)
Aspergillom der linken Kieferhöhle (Digitale Volumentomographie, DVT)
Aspergillom der linken Kieferhöhle (Endoskopisches Bild, 0°-Optik)
Mukozele in der linken Stirnhöhle (Digitale Volumentomographie, DVT)
Mukozele der linken Stirnhöhle nach operativer Eröffnung (Endoskopisches Bild, 30°-Optik)
Dentogene Sinusitis der Kieferhöhle links durch eine Entzündung im Bereich einer Zahnwurzelspitze mit Zerstörung des umgebenden knöchernen Kieferhöhlenbodens (Digitale Volumentomographie, DVT)
Chronisch-polypöse Sinusitis mit Verlegung sämtlicher Nasennebenhöhlen und der Nasenhaupthöhle (Digitale Volumentomographie, DVT)
Polyposis nasi (Endoskopisches Bild, 0°-Optik)
Einseitige Verschattung der rechten Kieferhöhle, des Siebbeins und der Nasenhaupthöhle (Rhinopapillom) (Computertomographie, CT)
Rhinopapillom der rechten Nase/NNH (Endoskopisches Bild, 0°-Optik)